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Der schwarze Fuchs

Benno - der schwarze Fuchs

nach JANSEN, W., in Heimatkalender Kreis Ahrweiler 1927, S. 106 - 107

Der bei seinen Untertanen beliebte Burggraf Otto machte sich zu einem Kreuzzug zur Befreiung des Heiligen Landes bereit. Die Verwaltung seiner Herrschaft Olbrück übergab er seinem Diener Benno, den er als Burgvogt einsetzte. Benno aber, von Otto für treu und edel gehalten, hielt sich schon für den kommenden Herren, denn er rechnete nicht mit einer Rückkehr des Burggrafen. Der Burgvogt bedrückte und drangsalierte das arme Landvolk. Den Bauern wurde der Frondienst verdoppelt, und der Zehnt, den sie in der Olbrückschen Zehntscheuer zu Niederzissen abliefern mussten, ließ ihnen kaum das Nötigste zum Leben.

Radierung Burg Olbrueck

Burg Olbrück nach einem Stahlstich von T. Verbas/ H. Winkles 1838

Wer nicht pünktlich abliefern konnte, musste unschuldig im Burgverlies schmachten. Das war ein Stöhnen und Jammern dort unten im düsteren Kerker der Olbrück, denn Hunger, Durst und Ungeziefer peinigten die Gefangenen. Dann spottete der Vogt, und höhnend sagte er zu seinen Spießgesellen: „Hört ihr, wie meine Füchse bellen?“ Doch bald war das Maß seiner Frevel voll. Das arme, gequälte Landvolk wurde aufgerüttelt und sann auf Rache. Zu ihrem Anführer machten sie den Schneider von Niederdürenbach. Dieser erkannte, dass die gequälten
Menschen nur mit einer List ihren Peiniger loswerden konnten. Der Schneider war ein Flötenspieler, und der Baltes, Fronbauer in Oberzissen, konnte leidlich auf der Fiedel geigen.

Als eines Abends wieder ein wüstes Gelage auf der Burg gefeiert wurde, näherten sie sich dem Burgtore und ließen lustige Weisen erklingen. Man öffnete ihnen, wie der Schneider erwartet hatte. Die Musikanten erboten sich, drinnen in der Burg zum Tanze aufzuspielen, und so waren sie willkommen. Der schlaue Schneider bot sich, nachdem die Musik schon lange kein Gehör mehr fand, sogar dem Torwächter an, ihn abzulösen, damit dieser am Gelage teilhaben könne. Der Vogt und seine Spießgesellen sprachen so sehr dem Wein zu, dass sie nach Mitternacht einer nach dem anderen in einen tiefen Schlaf verfielen. Der listige Schneider und der Baltes öffneten jetzt leise das mächtige Burgtor, und wie abgesprochen, stürmten die mutigsten und unerschrockensten der Bauern, die sich auf sein Geheiß in den nahen Büschen versteckt gehalten, wohl bewaffnet in die Burg und überfielen den schlafenden Benno und seine Zechgenossen. Diese wurden so leicht niedergemacht; Benno selbst wurde gefangen genommen und bis zur Rückkehr des Burggrafen Otto ins Verlies gesperrt. Als Otto nach langer Zeit in seine Heimat zurückkehrte, hielt er Gericht über seinen treulosen Vogt und am andern Tage wurde Benno gehängt. So hatte das gequälte Volk Ruhe, nicht aber die schwarze Seele des Unholds. Als Strafe für seine Untaten und seinen wüsten Spott umkreist er noch heute zu mitternächtlicher Stunde laut heulend den Burgberg, findet keine Seelenruhe und jagt noch heute den Ängstlichen im Volke Furcht und Schrecken ein.

Habt ihr nicht den schwarzen Fuchs geseh`n
Um die Ruine schleichen und geh`n?
Ich hab` ihn schon geseh`n und nehm`s als
schlimmes Zeichen`.
Der Unhold, der bei Lebenszeit
Hart plagte Land und Leut`,
der trägt zur Schuld ein schwarzes Kleid
um die Ruin` noch heut`.

In diesen Versen wird die Sage auch erzählt. Sie scheinen die verstümmelten Reste eines Gedichts zu sein, dessen Verfasser nicht bekannt ist.


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